Geochemie und Petrographie von spätvariskischen Ganggesteinen
des Vorderen Bayerischen Waldes

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Fotografien aus der geologischen Diplomarbeit von Bernhard Bayer am Institut für Mineralogie, Petrologie und Geochemie der LMU München, Betreuer: Prof. Dr. G. Propach, Juli 1997.
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Gabbrodioritisches Ganggestein, Hornblendenadeldioritporphyrit.
Fluidale Einregelung der Hornblendeeinsprenglinge. Dichte, kryptokristalline Grundmasse.
Fundort: Blatt Haunzenberg, Halde Kropfmühl, Probe 21973, Schliff 28703, Bildbreite 1,2 mm
21973 Steinlupe
Dioritisches Ganggestein, Dioritpophyrit.
Hornblende - und Plagioklaseinsprenglinge, ungeregeltes Gefüge, Grundmasse körnig, 20 bis 100 my.
Fundort: Blatt Wegscheid, Hinterkühberg, Probe 9448, Schliff 17675, Bildbreite 3 mm
9448 Steinlupe
Dioritisches Ganggestein.
Biotit -, Plagioklas -, Quarz - und Hornblendeeinsprenglinge. Grundmasse kryptokristallin.
Fundort: Blatt Haunzenberg, Steinbruch Eitzing, Probe 9321, Schliff 7975/2, Bildbreite 3 mm
9321 Steinlupe
Granitisches Ganggestein.
Feldspat - und Biotiteinsprenglinge. Granophyrische Verwachsungen von Quarz und Alkalifeldspat.
Fundort: Blatt Waldkirchen, oberhalb Appmannsbach, Probe 21976, Schliff 28881, Bildbreite 1,2 mm
21976 Steinlupe
Randfazies.
Granit - Ganggestein. Zone mit ausgeprägter Kataklase.
Fundort: Blatt Tittling, oberhalb Semperholz, Probe W 60, Schliff 28484, Bildbreite 2,4 mm
W 60 Steinlupe
Granodioritisches Ganggestein
Einsprenglinge sehr gross: Plagioklas, xenomorpher Quarz und Biotit. Hiatal-porphyrisches Gefüge. Extrem dichte Grundmasse.
Fundort: Blatt Passau, zw. Kicking und Schafberg, Probe 21995B, Schliff 29337, Bildbreite 3 mm
21995B Steinlupe
Gabbroides Ganggestein
"Problematikum". Pseudomorphose nach Klinopyroxen (?), gefüllt mit Sekundärmineralien.
Fundort: Blatt Deggendorf, Bahnbrücke Artzting, Probe D168, Schliff 9966, Bildbreite 3 mm
D168 Steinlupe
Gabbroidioritisches Ganggestein
Kalzitnest.
Fundort: Blatt Wegscheid, Fa. Götzer, Haselberg, Probe 7704, Schliff 15821/2, Bildbreite 3 mm
7704 Steinlupe
Gabbroidioritisches Ganggestein
Bildmitte Prehnit-Pumpellyt (blaue Interferenzfarben)
Fundort: Blatt Schöllnach, Simmetsreut, Stbr. Ochsenberg, Probe 9000, Schliff 15821/2, Bildbreite 0,5 mm
9000 Steinlupe
Dioritisches Ganggestein
Hornblendeeinsprenglinge, vollständig alteriert (Chlorit grün, Epidot gelb, Erz schwarz).
Fundort: Blatt Schöllnach, Haberlmühle, Probe 20372, Schliff 14889, Bildbreite 3 mm
20372 Steinlupe
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Zusammenfassung der Untersuchungen und Ergebnisse



Verbreitung

Vorderer Bayerischer Wald im Bereich zwischen Bayerischem Pfahl im Norden und der Donau im Süden.
( Man denke sich ein aufgespanntes Rechteck zwischen Passau-Freyung- Regen-Plattling )
Hauptverbreitungszone: Umgebung von Waldkirchen, etwa im NW des Hauzenberger Granitmassives.

Geologie

Das Gebiet ist dem Moldanubikum zugehörig.
Metamorphite (stark anatektische Paragneise) und postmetamorphe Intrusiva (spätvariskische Ganggranite und Granite), jeweils durchsetzt von Porphyritgängen. Die Ganggesteine weisen keine Anzeichen von variskischer Überprägung auf.

Tektonik

Das Streichen ist generell pfahlparallel, herzynisch (NW-SE).
Es steht in keiner Beziehung zum Streichen der Schieferung in den durchschlagenen Metamorphiten oder zur Magmatektonik der Granite.
Das Einfallen ist meist mehr oder weniger saiger.

Alter

Das Alter der Gesteine kann nach P.CHRISTINAS et. al. (1991) auf etwa 300 Millionen Jahre veranschlagt werden. Sie repräsentieren somit die jüngste magmatische Tätigkeit der  variskischen Orogenese.

Nomenklatur alt

Nach OHST & TROLL( 1981) in Anlehnung an RONNER (1963):

Dioritporphyrit
Einsprenglinge: im wesentlichen nur Hornblende enthalten (sowie untergeordnet vorwiegend Plagioklas).
Quarzdioritporphyrit
Einsprenglinge: Hornblende auch Biotit, Plagioklas und Quarz
Granodioritporphyrit
Einsprenglinge: Plagioklas und Biotit enthalten
 

Nomenklatur neu

Die neue Klassifikation gründet sich auf den Chemismus d.h. auf die Stellung der Gesteine im TAS-Diagramm nach MIDDLEMOST.
Aufgrund der oft sehr feinkörnigen Grundmasse und des Effusivgesteinen ähnlichen porphyrischen Gefügebildes wären Vulkanitnamen gerechtfertigt. Da die Intrusionstiefe vermutlich aber bei 5 bis 10 km liegt, wurde auf die Intrusionsgesteinsnamen zurückgegriffen.

TAS-Diagramm

Ergebnisse

Die spätvariskische Ganggefolgschaft des Vorderen Bayerischen Waldes gliedert sich in zwei Gruppen. Die grössere Gruppe zeigt einen fliessenden Übergang von gabbroider bis zu granodioritscher Zusammensetzung. Die granitischen Ganggesteine bilden eine eigene Gruppe. Die Ganggefolgschaft läßt sich nach IRVINE & BARAGAR einem kalkalkalischen Magmentyp zuordnen. Die gabbroiden Vertreter der Suite sind Spessartite nach WIMMENAUER. Die Auswertung der chemischen Daten erbrachte als Befund, daß bei der Genese der untersuchten Gesteine sowohl fraktionierte Kristallisationsdifferentiation als auch Magmenmischung beteiligt gewesen sein muss. Einen Hinweis auf Magmenmischung liefert auch der petrographische Befund (mehrmaliges Anlösen und Neukristallisation an Plagioklaseinsprenglingen). Die granitische Gruppe erscheint isoliert, ihre genetische Zugehörigkeit zur Hauptgruppe ist unsicher. Dies wird anhand der Auswertung der Harker-Diagramme, des Additions-Subtraktionsdiagrammes, der ternären Diagramme im Granitsystem und der Auswertung der Seltenerdedaten dargelegt. Aufgrund des Chemismus der basischten Vertreter muss von Mantelabkunft des basischen Stamm-Magmas ausgegangen werden. Isotopengeochemischen Untersuchungen von C.FRANK(1997) und P.CHRISTINAS et. al.(1991) bestätigen den in dieser Arbeit gewonnen Befund. Inwieweit Assimilation von Krustenmaterial beim Aufstieg eine Rolle gespielt hat, konnte im Rahmen dieser Arbeit nicht dargelegt werden.

Diskriminationsdiagramme nach IRVINE & BARAGAR (1971)


Literatur:
Propach G., Bayer B., Chen F., Frank C., Hölzl S., Hofmann B., Köhler H., Siebel W. & Troll G. (2008): Geochemisty and petrology of late Variscan magmatic dykes of the Bavarian Forest, Germany - Geologica Bavarica 110: 304-342, Augsburg (Bayerisches Landesamt für Umwelt).
 
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Verfasser: Bernhard Bayer
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